Angst vor der Sichtbarkeit
Janine Aerni
am
Strahlangst
Kennst du diesen Begriff? Er beschreibt genau dies: in die Sichtbarkeit zu gehen, zu leuchten, in deinem Element zu sein und dann aber… Angst haben, zu viel zu sein. Zu hell zu strahlen. Das passiert vielen von uns. Eine der Grundängste des Menschen ist es, nicht dazuzugehören. Von anderen abgelehnt zu werden. Wir haben ein Bedürfnis, zu gefallen und Teil vom Ganzen zu sein. Das macht Sinn und hat auch früher Sinn gemacht -es hat unser Überleben gesichert. Auch heute kann es uns vor unangenehmen Situationen bewahren. Aber vielleicht schränkt es uns zu oft ein?
Ist dieser nett gemeinte Schutzmechanismus unseres Verstandes etwas übereilig? Hindert er uns allzu oft daran, das zu leben, wonach wir uns sehnen?
Ich glaube, ja.
Limitierende Glaubenssätze
Ein erster wichtiger Schritt ist es, zu erkennen, welche Glaubenssätze in uns verankert sind. Sind es eher negative? Kennst du Sätze wie:
- Ich kann das nicht.
- Ich bin zu wenig talentiert.
- Ich darf nicht so viel Raum einnehmen.
- Was denken die anderen, wenn ich xy tue?
- Für wen hältst du dich eigentlich?
- Die anderen werden es lächerlich finden.
- Ich werde mich nur wieder blamieren.
- Es gibt so viele, die das besser können.
Vielleicht möchtest du etwas Neues wagen: Den Schritt in die Selbständigkeit. Ein neues Hobby beginnen. Eine neue Farbe tragen. Ein Reel posten. Eine Reise antreten. Und da kommen plötzlich diese einengenden Phrasen, wie sie oben stehen. Warum?
Unser Verstand liebt Sicherheit
Unser Verstand ist auf Sicherheit programmiert. Er möchte schliesslich, dass es uns gut geht und wir uns nicht unnötigen Gefahren aussetzen. Wahrscheinlich hast du ja auch schon schmerzhafte Erfahrungen gemacht, als du dich mal etwas gewagt hast. Oder du hast negative Sätze gehört im Elternhaus oder in der Schule oder erlebt, wie enge Bezugspersonen so über sich selbst denken und sprechen.
Diese Vorsichtsmassnahme vom Verstand ist gut gemeint und verdient Anerkennung. Doch da ist auch unser Herz, unsere Seele. Die möchten gerne mehr: Glück. Freiheit. Leichtigkeit. Und da kann Reibung entstehen. Wenn nun plötzlich der Wunsch nach Neuem konkreter wird und sich in Absicht umwandelt, gibt es Anteile in uns, die diese Veränderung nicht freudestrahlend begrüssen. Hab Verständnis dafür, hol auch diese Anteile mit ins Boot. Und dann: unternimm kleine Schritte in die gewünschte Richtung und erlebe, dass du trotzdem noch sicher bist. Dass dein Nervensystem beruhigt sein kann und keine Gefahr droht. Dein Verstand wird nun eine neue Information erhalten, nämlich die, dass ein Wagnis positiv sein kann. So erweiterst du Schritt für Schritt deinen Handlungsspielraum. Denk dran: Dein Gehirn liebt Repetition. Trau dich also immer wieder! (Leg aber Pausen ein :)
Leg eine neue Schallplatte auf
Wenn zuvor im Keller (oder im Unterbewusstsein) die alte Schallplatte (der Glaubenssatz) gespielt hat (Ich bin nicht gut genug), dann leg neue Musik auf. Das könnte dann etwa so aussehen:
- Ich bin mutig
- Ich verfolge meine Träume
- Ich bin für mich da
- Ich bin genug
- Ich darf mich zeigen
- Ich darf Neues ausprobieren
- Ich traue mich mit Freude und Leichtigkeit
- Ich verdiene es, meinen Wünschen nachzugehen
Wie könnte dein neuer Glaubenssatz, deine positive Affirmation lauten?
Halte die kritische Phase aus
Wenn du dann gewappnet bist mit neuen Glaubenssätzen und den Sprung wagst (vielleicht auch erst vom Beckenrand, das ist ok), BRAVO! Wie fühlt sich das an? Berauschend? Erleichternd? Oder doch noch etwas unsicher? Alles ist ok. Atme durch, fühl, was du grad fühlst. Und dann schau immer gerade aus dem Moment, was du brauchst. Es ist hilfreich, wenn du immer wieder in die Ruhe eintauchen kannst. Ruhe und Entspannung sind immer eine gute Grundlage.
Womöglich fühlt sich Veränderung nicht immer positiv an. Vielleicht bereust du es auch einmal, dich gezeigt zu haben, du schämst dich und möchtest am liebsten wieder zurück in dein Versteck, hier kann dich niemand beurteilen und kritisieren. Das verstehe ich. Aber ist das längerfristig eine Option? Oder hält dich diese Art zu leben zurück? Kannst du wirklich ganz authentisch du selbst sein und mit deinen Fähigkeiten und Eigenschaften in den Flow kommen? Wohl eher nicht, denn dafür brauchst du Platz und Licht, kein dunkles, enges Versteck. Halte es aus, wenn es dir peinlich ist. Wenn du etwas überrumpelt bist oder vielleicht noch nicht zufrieden mit dem Resultat. Und bleib dran.
Vielleicht bist du auch ein wenig traurig, weil du dich von manchen alten Anteilen verabschiedest und auf dem Weg bist, in dein volles Potenzial zu kommen. Du bleibst trotzdem Du, hab keine Angst. Vielleicht kommen ein paar neue Facetten dazu, eine gewisse Wandlung und Entwicklung gehört zum Leben dazu, wie du überall in der Natur feststellen kannst.
Trust the process.
Sprich dir gut zu, sei wohlwollend und geduldig mit dir. Wähle Affirmationen wie:
- Ich bin für mich da, egal, was rauskommt
- Ich bin dankbar für meinen Mut
- Ich darf es so oft probieren, wie ich möchte
- Wer nicht aufgibt, kann nicht scheitern
- Ich glaube an mich
- Power und Freude: aktiviert!
Es gibt nichts Kraftvolleres, als wenn du selbst dein grösster Fan bist und dir den Boden unter den Füssen gibst. Keine Angst, du bist deswegen nicht arrogant oder hältst dich für etwas Besseres. Du setzt ja nicht andere herab oder vertrittst die Meinung, dass du am allerbesten bist und alle anderen Loser sind. Aber du gibst dir den Raum, die Zeit und die Möglichkeit, dich nach deinen Vorstellungen zu entfalten, das ist sehr lebensbejahend und gesund. Du wählst die Spielregeln und das Tempo. Stell dir vor, wie du dich fühlst, wenn du ganz du sein darfst, deinen Wünschen und Träumen nachgehst und dabei sogar etwas Gutes bewirkst? Andere inspirierst, ansteckst und vor allem: dir selbst treu bist und ganz in deine Farbe oder in dein Sein kommst. Klingt vielversprechend, oder?
Ich glaub sowas von an dich! Trau dich, DU zu sein.
Let’s go!
Herzlich, Janine
PS: Gerne teile ich hier die Stimmen meiner inneren Kritikerin, die während des Aufsetzens dieses Textes entstanden sind:
- Für wen hältst du dich, dass du diese “Weisheiten” mit anderen teilen möchtest?
- Und du denkst, dass du damit das Rad neu erfindest?
- Was ist mit allfälligen inhaltlichen Fehlern? Da gibt es Fachpersonen, die lachen vielleicht über diesen Text.
- Denkst du nicht, du nervst langsam mit deinen Beiträgen?
Ganz schön fies, oder? Ich akzeptiere es, distanziere mich etwas davon und lass mich dann von meinem Herzen leiten. Und das möchte ganz klar mit deinem Herzen Kontakt aufnehmen und freut sich, wenn du dich verstanden fühlst und ein wenig Mut fassen kannst ❤️